Design als Kulisse

Gespräch mit Architekt Tobias Koch

Was macht gutes Hoteldesign aus? Wir trafen Tobias Koch, Associate und Architekt Concrete Amsterdam, in Stuttgart, wo er als Redner beim Fachsymposium „Trends im Hoteldesign“ sprach, das in bewährter Manier von emco als Partner unterstützt und begleitet wurde. Im Interview erzählt er, was gutes Hoteldesign auszeichnet und was er von der Zukunft erwartet.

 

 

Portrait des Architekten Tobias Koch im Interview zum Thema Hoteldesign anlässlich des Fachsymposiums Hoteldesign in Stuttgart.

Herr Koch, welche Rolle spielen Architektur und Design Ihrer Meinung nach generell für den Erfolg von Hotels?

Ich glaube, dass Architektur und Design eine gesunde Basis sein müssen für ein erfolgreiches Hotel. Allerdings muss das Design daran ausgerichtet sein, wo ich bin, was ich mache, wer die Zielgruppe ist. Das kann aber nicht ohne gutes Team funktionieren – ohne Leute, die da jeden Tag mit offenen Augen stehen und das Konzept der Gastlichkeit von Herzen rüberbringen. Gerade im jetzigen „Styling-Zeitalter“ dürfen die Leute nicht wie Objekte rumstehen, sondern alles muss sich echt anfühlen – wie zuhause eben. Ich muss spüren: „Ich bin zu Gast bei jemandem.“ Das ist uns bei Zoku ganz gut gelungen. Da gibt es eine Küche, die dem Gast den Eindruck vermittelt, er steht bei jemandem zuhause in der Küche, der für ihn kocht. Und das gibt ihm das Gefühl, willkommen zu sein. Das ist schließlich das, was ich als Hotelgast im Hotel suche. Und dann ist es dem Hotelier immer noch selbst überlassen, ob er den Gast sehr hochklassig behandelt oder ob der Umgang eher locker ist. Das Design liefert die Kulisse dafür. Bei Zoku haben wir auch den Longstay-Gast berücksichtigt. Jemand, der zwei Monate in Amsterdam ist und da arbeitet, freut sich, dass da soziale Kontakte entstehen können mit anderen, die auch länger bleiben. Dass man zusammen kochen oder am großen Frühstückstisch Tischtennis spielen kann. Das verbindet. Gleichzeitig kommen auch Leute aus der Nachbarschaft und halten sich dort auf. Alles geht fließend ineinander über.

 

 

Jedes Ihrer Projekte wird im Team individuell und auf den jeweiligen Ort abgestimmt konzipiert. Wie bewerten Sie das Thema „Storytelling“ für Ihre Arbeit in Sachen Hoteldesign?

Storytelling ist sehr wichtig – für unsere Arbeit und für den späteren Erfolg des jeweiligen Hotels oder Restaurants. Wir arbeiten immer im Team und stellen uns zu Beginn der Projekte gegenseitig viele Fragen. Jeder kann ins individuelle Konzept etwas einbringen. Das bedeutet auch: Wir entwickeln etwas Neues, indem wir die eigenen Positionen anzweifeln und überdenken. Wir schauen uns die Location, den Kunden, das Umfeld, die Aufgabe ganz genau an und kommen dann zu individuellen Lösungen, die genau auf dieses Projekt an genau diesem Ort zugeschnitten sind. Ein schönes Beispiel zum Thema Storytelling ist das INK Hotel in Amsterdam. Hier haben wir ein Hotel in einem ehemaligen Verlagshaus neugestaltet. Viele Details zahlen der Geschichte des Hauses Tribut, wir haben mit Typographie gespielt und Texte in das Hoteldesign einfließen lassen. Im Restaurant stecken die Servietten in Tintenfässern, und auch in den Zimmern und auf den Türen finden sich Worte. Die Materialien referenzieren immer wieder auf die frühere Nutzung: Marmor, Messing und dunkles Holz beispielsweise zitieren Setzkästen und alte Druckpressen.

Fachsymposium Hoteldesign – Schnappschuss aus der Kaffeepause.

Sie waren bereits an vielen spannenden Hotelprojekten beteiligt und haben in puncto Hoteldesign viel gesehen. Wo steigen Sie auf Reisen selbst gern ab?

Ich persönlich finde es vor allem wichtig, ein „authentisches Zuhause auf Zeit und mit Ortsbezug“ zu haben. Wenn ich zum Beispiel tatsächlich bei jemandem daheim wohne, bin ich direkt mittendrin in meinem Reiseziel statt außen vor. Außerdem wird hier die Story direkt mitgeliefert. Ich bekomme unmittelbaren Einblick ins Leben eines anderen, seine Bücher, seine Plattensammlung, seine Gewohnheiten... Das hat einen großen Charme. Und deshalb ist das Storytelling auch in unseren Konzepten so wichtig. Natürlich kommen noch andere Aspekte hinzu. Wenn ich aus den Hotels auswählen sollte, an denen ich selbst mitgewirkt habe, würde ich mit meinen Kindern zum Beispiel im Zoku mit seinem flexiblen Raumkonzept logieren. Mit meiner Freundin würde ich eher ins Roomers gehen. 

Die größte Herausforderung der Zukunft an gutes Hoteldesign?

Ich glaube, im Hoteldesign der Zukunft geht es um Authentizität. Um Authentizität sich selbst gegenüber, im Design, aber auch dem Gast gegenüber, wie ich ihn behandele. All das müssen das Design und das Team des Hotels Hand in Hand vermitteln. Daneben ist auch die Ehrlichkeit gegenüber den Materialien, die gebraucht werden, wichtig. Gegenüber dem Szenario, also dem „Interior Feeling“ – und am Ende geht es auch um Nachhaltigkeit. Wir werden uns fragen müssen, ob die verwendeten authentischen Materialien recycelt werden können. Kann ich in der Renovierungsphase beispielsweise Bestandteile wiederverwerten. Solche Fragen wird man sich im Hoteldesign der Zukunft zunehmend stellen müssen.

INK_Hotel_Amsterdam: gelungenes Hoteldesign made by Concrete
Zoku Amsterdam: gelungenes Hoteldesign made by Concrete

Bitte geben Sie uns ein kurzes Statement zum „Fachsymposium Hoteldesign“.

Ich finde, das Symposium ist eine sehr gelungene Veranstaltung, die verschiedene Leute zusammenbringt. Der Mix der Vorträge ist spannend und zeigt, wie vielfältig das Thema betrachtet werden kann. Insbesondere die Auswahl und Gegensätzlichkeit der Redner und Standpunkte hat der Runde viel Leben eingehaucht.

Hotelfotos: © Ewout Huibers (oben und kleines Foto links: INK Hotel Amsterdam; Mitte und kleines Foto rechts: Zoku Amsterdam)

 

„Es geht um Authentizität und Nachhaltigkeit.“

Statement Tobias Koch (Concrete Amsterdam)

Über Concrete Amsterdam

Das Architekturbüro Concrete ist in Amsterdam zuhause und realisiert Projekte in aller Welt, darunter zahlreiche Hotels und Restaurants, aber auch Museen, Kauf- und Wohnhäuser. Die Projekte werden stets im Team erarbeitet, das aus über 50 kreativen Köpfen unterschiedlicher Disziplinen besteht.

 

 

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