„Man muss nur zuhören – und auch mal was versuchen.“

Ein Gespräch mit Jochen Holzapfel, ehemaliger Geschäftsführer emcobau

Jochen Holzapfel bringt gute Laune und jede Menge Elan mit zum Interview. Der ehemalige Geschäftsführer von emcobau war 47 Jahre für die Unternehmensgruppe tätig, ging 2015 in den wohlverdienten Ruhestand, war dann aber noch zwei Jahre beratend tätig. Beständigkeit beweist er auch in anderen Lebensbereichen: Seit 37 Jahren ist er verheiratet und genießt jetzt mit seiner Frau, einer pensionierten Lehrerin, die neuen Freiheiten. Vor allem das Kochen und das Reisen in seine zweite Heimat Frankreich, wo ein großer Teil der Verwandtschaft lebt, begeistert ihn. Auch seine beiden Kinder – ein Sohn, der bei der emco Group arbeitet, eine Tochter, die in der Schweiz lebt und arbeitet – sind reisefreudig wie ihr Vater, der mit Begeisterung über seine Zeit bei emco spricht. Man merkt Holzapfel an: Die Identifikation mit dem Unternehmen ist ungebrochen. Ob er gern noch ein paar Jahre weitergemacht hätte? „Schon, aber ich denke, die nachrückenden Kollegen können ihre Arbeit nur machen, wenn andere gehen. Das hat auch Herr Müller so gelebt – er hat mich machen lassen. Ob ich diese Größe hätte? Ich weiß es nicht.“ Im Gespräch erzählt Jochen Holzapfel, was ihn an seiner Arbeit und am Unternehmen fasziniert hat. 

Herr Holzapfel, emcobau ist Marktführer im Bereich Sauberlaufsysteme. Welche Maßnahmen des Unternehmens haben maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen?

Ich würde gern etwas weiter ausholen. Der Name emcobau ist erst nach meinem Eintritt entstanden. Früher war das die Rollrostabteilung. Die Rollroste waren eine Erfindung von Herrn Müller Senior. Er hatte gerade in Lingen einen Bungalow mit Unterflur-Heizkörpern gebaut. Der Installateur sagte ihm, er solle sich vom Tischler Holzleisten als Abdeckung anfertigen lassen. Er ist aber stattdessen in seine Werkzeugmacherei gegangen, wo sie ihm per Hand Messingprofile abgebogen haben. Als er gesehen hat, wie schick das aussah, hat er daraus eine Idee entwickelt und das Ganze industrialisiert – damit war er sehr erfolgreich. Wir waren mit den Rollrosten ganz allein auf dem Markt: eine „goldene Kuh“. Als die Fußbodenheizung Einzug hielt, hatten wir die Idee, aus den Rollrosten Bodenkanalheizkörper und Lüftungsgitter zu machen. Daraus ist später die Klimaabteilung geworden. Jedenfalls brauchten wir zu dem Zeitpunkt einen neuen Namen und entschieden uns für emcobau, weil der Bau die gemeinsame Klammer für die Produkte war.

Strategie ist natürlich wichtig, und viele Leute glauben, dass in großen Firmen alles strategisch entsteht. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass das nicht immer der Fall ist. Viele Ideen entstehen instinktiv, aus dem Bauch heraus, auf Reisen beispielsweise. Denken Sie nur an die Elektroroller. Herr Müller war in China und brachte die Idee für den Bereich e-Scooter mit, einfach weil er das gut fand. Wir haben gesagt: „Das hat aber mit Strategie nichts zu tun“, worauf er nur antwortete: „Das interessiert mich nicht.“ Auch das ist echter Unternehmergeist.

 

Erfolgsrezept: Konzentration im Vertrieb

Marktführerschaft beinhaltet, dass man sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat – wie sah der Wettbewerb der letzten Jahrzehnte aus?

Es gab viele Wettbewerber, darunter viele kleine und ein paar Große – wie Kampmann. Die Firma Kampmann ist von Anfang an sehr strategisch vorgegangen. Da war es für uns schon eine Herausforderung zu bestehen. Was uns zugutekam, war, dass Kampmann den Vertrieb auf die Eingangsmatten nicht konzentriert hat, sondern seine Vertreter für den Klima- und Heizungsbereich auch für den Fußmattenbereich eingesetzt hat. Das haben wir nicht getan. Wir hatten für den Klimabereich Klimaleute und haben für den Fußmattenbereich einen eigenen Vertrieb aufgebaut. Konzentration heißt das Zauberwort. Das Know-how hatten die Kampmann-Leute genauso wie wir. Das Produkt ist ja nicht allzu komplex. Das Geheimnis lag in der Durchsetzung und Organisation des Vertriebs. Das hat uns generell im Wettbewerb nach vorne gebracht. Außerdem konnten wir Synergieeffekte nutzen. Wir hatten wegen der Vielfältigkeit des Unternehmens eine eigene Werkzeugmacherei und konnten alles inhouse machen lassen. Das war ein Riesenvorteil.

 

Kampmann und emco haben kürzlich Geschäftsbereiche getauscht …

… ein absolut sinnvoller Akt. Jetzt ist ein Konkurrent ausgeschaltet, und der Weg ist frei. Ein Vorteil für beide Firmen.

 

Als Marktführer muss man Vorreiter sein – wie schafft man es als Unternehmen, diese Rolle dauerhaft auszufüllen und sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen?

Ausruhen kommt natürlich nie in Frage. Das passt weder zu meinem Naturell noch zu emcobau an sich. Die ganze Abteilung wollte immer voran und aggressiv in den Markt. Aber es war natürlich nicht immer einfach, sich stetig aufs Neue zu motivieren über so viele Jahre. Man darf einfach nie aufhören und sich zufriedengeben. Ich hatte aber auch das außergewöhnliche Glück, dass Herr Müller mir eine große unternehmerische Freiheit gab. Er hat mir wohl vertraut, und das hat gut funktioniert. Ich konnte agieren, wie es sinnvoll war – mit kurzen Wegen.

Generationensache: Engagement fürs Unternehmen

Lassen Sie Ihren Werdegang bei emco bitte einmal Revue passieren …

Ich habe als Lehrling in der Rollrostabteilung angefangen, die damals noch Herr Kampmann leitete, und ich habe als Geschäftsführer aufgehört. Darauf bin ich stolz, aber es gehört auch ein Unternehmen dazu, das das ermöglicht. Das Unternehmen hat immer viel dafür getan, dass die Leute bleiben. Ich hatte vor, nach der Bundeswehr in Mönchengladbach Betriebswirtschaft zu studieren. Ich hatte vor Studienbeginn noch ein paar Monate Leerlauf, die ich nutzte, als Volontär Geld zu verdienen. Ich war sozusagen Hilfskraft für Herrn Kampmann. Als der ausschied, weil er sich selbstständig machte, hat er mich überraschenderweise als Nachfolger vorgeschlagen. Also habe ich das Studium in den Wind geschlagen und bin geblieben. Es war ein Versuch – und es hat funktioniert. Ich habe noch ein paar Jahre mit der Entscheidung gehadert, aber sie war definitiv richtig, denn das Unternehmen bietet gute Arbeitsbedingungen. Es ist schließlich auch kein Zufall, dass bei emco häufig mehrere Generationen einer Familie arbeiten. Auch Herr Kampmann hatte bereits die Leitung der Rollrostabteilung von seinem Vater übernommen …

 

… eine Familientradition, die von Ihnen unterbrochen wurde …

Ja, aber ich kann nichts dafür! (lacht) Rückblickend kann ich sagen, es war eine gute Zeit in einem vielfältigen Unternehmen. Es hat sich immer gelohnt, sich für dieses Unternehmen zu engagieren. Wer sich engagiert hat, konnte auch weiterkommen. Herr Gnaß führt das Unternehmen heute in diesem Sinne weiter.

 

Welche Ereignisse waren die entscheidendsten Meilensteine für emcobau während Ihrer aktiven Zeit bei der emco Group?

Wirklich einschneidend und quasi alle anderen Aktivitäten überdeckend war vor allem eine Maßnahme: Ich habe schon früh, als junger Vertriebsleiter, damit angefangen, den Vertrieb umzukrempeln. Früher hatte die Firma für alle Bereiche typische Handelsvertreter, die mehrere Firmen vertreten haben – und damit habe ich Schluss gemacht. Das war eine kleine Revolution, eine echte Novität. Mit eigenen, festangestellten Leuten zu arbeiten, war natürlich deutlich teurer, aber ich habe mich durchgesetzt. Das war eine entscheidende Angelegenheit, den Vertrieb so zu konzentrieren. Ich habe gesagt: Ich brauche Mitarbeiter im Außendienst, die abends mit der Fußmatte ins Bett gehen und morgens mit der Fußmatte aufstehen.

 

… also Leidenschaft?!

Ja, absolut – Leidenschaft! Die brachte uns 100%igen Erfolg. Ich hatte die Leidenschaft – und die anderen mussten die genauso haben. Aber es gab auch ein Risiko: Wir waren noch relativ klein und der Vertriebsaufbau teuer, aber es hat sich gelohnt. Dazu eine kleine Anekdote: Ich traf Herrn Müller zufällig und er sagte „Herr Holzapfel, ich finde gut, wie Sie den Vertrieb umstellen. Machen Sie so weiter – auch wenn ich mal dagegen bin.“ Er kannte sich. Er wusste, dass er auch manchmal wankelmütig war. Dieses Gespräch hat mich sehr motiviert und sich ausgezahlt. Natürlich hatte ich über all die Jahre ein besonderes Verhältnis zu Herrn Müller. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber in wichtigen Angelegenheiten dann doch. Wir sind gemeinsam durch die Welt gezogen, er hat viele Reisen mit mir gemacht und immer Vollgas gegeben.

Jochen Holzapfel im Gespräch

Marktführerschaft: Ein länderübergreifendes Thema

Gibt es einen persönlichen Meilenstein, auf den Sie besonders stolz sind?

Ja. Ich bin ja von Haus aus sehr frankophil veranlagt. Daher war es mir eine Herzensangelegenheit, nach den deutschsprachigen Ländern den französischen Markt aufzubauen. Herr Müller sagte: „Wenn Sie das ganz allein machen wollen, bitte!“ Der Aufbau Frankreich war ein besonderes und positives Erlebnis mit bestem Erfolg. Wir haben dort die absolute Marktführerschaft und eine Produktionsstätte mit über 2.000 qm Fläche und mehr als 50 Leuten, die sich ausschließlich mit Fußmatten beschäftigen. Eine Erfolgsgeschichte par excellence. Wenn man den Rücken frei hat, dann kann so etwas gut funktionieren. Was nicht heißt, dass immer alles funktioniert hat. Es gab natürlich auch Fehlentscheidungen, aus denen ich gelernt habe. Ich möchte auch betonen, dass ich immer eine top Mannschaft hatte. Die meisten sind immer noch da. Es gab kaum Fluktuation in der Abteilung. Das war sehr wichtig. Auch auf Sachbearbeiter-Ebene waren sehr viele Mitarbeiterinnen da, die sich fantastisch um den Innendienst gekümmert haben, den ich persönlich vernachlässigt habe, weil ich ständig draußen im Markt unterwegs war.

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Branche – was muss das Unternehmen in Zukunft leisten?

Der Mattenbereich an sich ist ja keine Branche, sondern eine Nische innerhalb der Baubranche. In einer Nische kann man sich gut bewegen, wenn man es geschickt anstellt. Die Systemlösungen von emcobau funktionieren und sind nur marginal zu verbessern. Natürlich gibt es immer wieder Innovationen. Beispielsweise haben wir neben den Aluprofilmatten die Teppichmatten ins Portfolio aufgenommen. Dafür haben wir seinerzeit eigens eine Maschine angeschafft – produktionstechnisch ein großer Schritt, denn wir mussten mit Stoff, Gummi und Farbe arbeiten. Anfangs haben wir Lehrgeld bezahlt, aber dann hat sich diese große Innovation ausgezahlt. Generell ist aber aus meiner Sicht auch der Erfolg der Zukunft eine Frage des Vertriebs. Am Anfang wurde der Vertrieb in Deutschland aufgebaut bis hin zur Marktführerschaft mit mehr als 50 % Marktanteil. Dann kamen die deutschsprachigen Länder, dann die weiteren Länder um uns herum. Der Export wurde entsprechend aufgebaut. Ich sehe großes Potenzial im Ausland. In Vorderasien, China etc. gibt es bereits Anfänge. Aber es gibt noch ganze Kontinente zu erschließen: Nord- und Südamerika, Australien … Es gibt da noch großartige Möglichkeiten. Wenn der Vertrieb intensiv aufgebaut und fokussiert am Markt ist, kommen die Impulse aus dem Markt heraus. Man muss nur zuhören – und auch mal was versuchen.

 

Lesen Sie auch, wie die Geschicke von emcobau derzeit gelenkt werden und was für die Zukunft geplant ist – in unserem Interview mit Geschäftsführer Jörg Harbecke.

Erfahren Sie mehr über die Geschichte und Traditionen der emco Group im Online-Magazin:

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