Jörg Böttcher und Klaus Mensing im Gespräch mit einer Mitarbeiterin

„Wir stellen durch Förderung Flexibilität sicher.“

Ein Gespräch zwischen Personalleitung und Betriebsrat

Die Lebensentwürfe werden individueller und vielfältiger, klassische Rollenbilder weichen auf, persönliche Freiheiten und das Thema Work-Life-Balance werden wichtiger. In der Folge werden Arbeitszeitmodelle flexibler. Immer mehr Beschäftigte nutzen Instrumente wie Gleitzeit, Arbeitszeitkonten, Teilzeitarbeit, flexible Schichtarbeit, Vertrauensarbeitszeit oder mobiles Arbeiten. Wie geht man bei der emco Group mit den sich verändernden Anforderungen um? Ein Gespräch mit Klaus Mensing, Leiter Rechtsabteilung und Personalwesen emco Group, und Jörg Böttcher, Betriebsratsvorsitzender emco Group.

 

 

Das Thema "Flexibilität" ist eines der Top-Themen im Bereich Human Resources überhaupt. Wie gehen Sie damit um?

Klaus Mensing: Bei der emco Group ist das Thema Flexibilität ein sehr wichtiges Thema. Zum einen gibt es Anforderungen aus dem Betrieb: Wir sind ein sehr differenzierter Betrieb mit verschiedenen Unternehmensbereichen, die unterschiedliche Anforderungen aufgrund ihrer Tätigkeit haben. Zum anderen kommen natürlich auch Anforderungen von Seiten der Belegschaft. Mitarbeiter stellen aufgrund von Kinderbetreuung oder von Betreuung ihrer Eltern durchaus Ansprüche an uns, mit ihrer Arbeitszeit flexibel umzugehen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns an einem Projekt beteiligt, was von der Bundesregierung gefördert wird. In diesem Projekt geht es darum, individuelle Arbeitszeitenlösungen, Flexibilitätslösungen für den jeweiligen Betrieb zu finden, die sowohl die Bedürfnisse des Arbeitgebers als auch die Bedürfnisse des Arbeitsnehmers berücksichtigen. Das Projekt ist durch den Betriebsrat an uns, die Geschäftsleitung, herangetragen worden.

 

 

Jörg Böttcher: Dieses Projekt, "Zeitreich", ist ein von der Bundesregierung gefördertes Arbeitszeitprojekt, in dem es darum geht, neue Arbeitszeitmodelle zu entwickeln. Der Kontakt entstand durch die IG Metall, die an den Betriebsrat herangetreten ist. Es ist ein sozialpartnerschaftliches Projekt, in dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zusammenarbeiten und auch die Mitarbeiter in Workshops beteiligt werden. Es gab bereits eine Mitarbeiterbefragung hier im Unternehmen, wir stecken jetzt aber noch in den Anfängen. Hierbei geht es um die verschiedensten Arbeitszeitmodelle: Schichtarbeit, Lebensarbeitszeitkonten, Teilzeitarbeit, mobiles Arbeiten, Homeoffice und natürlich die flexible Arbeitszeit. Wir arbeiten hier jetzt schon 22 Jahren flexibel, unsere Betriebsvereinbarung stammt aus dem Jahr 1995. Aber aufgrund der unterschiedlichsten Bereiche und der unterschiedlichen Geschäftsfelder in unserem Unternehmen stellt sich uns immer wieder die Frage, ob diese flexible Arbeitszeit noch zeitgemäß ist, um alle Bereiche und die Belange der Mitarbeiter gleichmäßig abzudecken.

Mensing: Arbeit ist ja etwas, was sich immer weiterentwickelt. Da ist es wichtig für uns, dass wir ein Modell finden, das uns eine größtmögliche Flexibilität erlaubt, die sowohl die Bedürfnisse des Arbeitgebers als auch die Bedürfnisse des Arbeitnehmers vernünftig und ausgewogen berücksichtigt. Zu unserer Freude ergab die Mitarbeiterbefragung, dass 80 % der Befragten mit den jetzigen Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitregelungen zufrieden sind und nur 20 % eher unzufrieden. Wir sind ganz gut aufgestellt, was nicht bedeutet, dass wir uns nicht weiterentwickeln müssen.


Böttcher: Gerade erst waren wir im Institut der deutschen Wirtschaft zum Austausch zwischen den Firststarter-Betrieben, die jetzt schon etwa ein Jahr in diesem Projekt arbeiten, und den Secondstarter-Betrieben, zu denen wir gehören. Dieser Erfahrungsaustausch hat uns gezeigt, dass in den verschiedensten beteiligten Organisationen - beispielsweise öffentlicher Dienst oder Industriefirmen - verschiedenste Arbeitszeitmodelle etabliert werden sollen, vom Jahresarbeitszeitkonto bis hin zu Schichtmodellen. Wir werden mit neuen, flexiblen Modellen im Bereich Bautechnik starten.


Mensing: Wir tun natürlich noch mehr. Gerade erst haben wir die Zertifizierung als "demografiefestes Unternehmen" bekommen. Dazu gehört beispielsweise das Thema Gesundheitsmanagement - das beinhaltet nicht nur Gesundheitserhaltung, sondern auch Nachhaltigkeit in der Unternehmensplanung. Man muss sich fragen "Wie schaffe ich es, dass möglichst viele Bedürfnisse meiner Mitarbeiter erfüllt werden, damit wir auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber bleiben?" Wir kämpfen um die Talente, die wir zu uns holen wollen, aber die besten Mitarbeiter sind die, die wir bereits haben - und auch bei diesen Mitarbeitern gibt es viele Talente, die noch schlummern und teilweise bisher nicht erkannt worden sind, deswegen führen wir ein sogenanntes Personalscreening der Mitarbeiter durch, in dem wir systematisch erfassen, wie es unsere Mitarbeiter schaffen, die Anforderung des Arbeitsplatzes zu erfüllen, aber auch, welche Talente noch in ihnen schlummern. Wenn wir diese kennen, können wir über die Förderung der Mitarbeiter eine Flexibilität entwickeln, die uns noch zukunftsfähiger macht.


Böttcher: Um noch einmal zum Gesundheitsmanagement zurückzukommen ... Wir haben einen guten Betriebssport hier im Unternehmen - Fußball, Laufen, Tennis, Kegeln und Bowling für die Mitarbeiter sowie das Projekt "emco fit", das die Kooperation mit Fitnessstudios beinhaltet. Außerdem gibt es einen Mediziner im Haus, der die Mitarbeiter kostenlos berät und die eine oder andere medizinische Einschätzung abgeben kann. Und was die Talentförderung angeht: Ich glaube, gerade in Hinblick auf Digitalisierung und Industrie 4.0 werden sich die auch bei uns verändern, und dann wird es hilfreich sein, zu wissen, welche Talente die Mitarbeiter haben.

 

„Wir stellen durch Förderung
Flexibilität sicher.“

Klaus Mensing, Leiter Rechtsabteilung und Personalwesen,
und Jörg Böttcher, Betriebsratsvorsitzender, im Gespräch.

Was für Altersteilzeit-Modelle gibt es bei der emco Group?

Mensing: Die Altersteilzeit ist in einem Tarifvertrag geregelt. Mitarbeiter können vorab in den Ruhestand treten, die müssen allerdings Jahr für Jahr ausgewählt werden, wenn wir mehrere Bewerber haben. Schichtarbeiter und schwer behinderte Mitarbeiter werden vorgezogen. Aber der Fokus sollte darauf liegen, dass wir unsere Arbeitsplätze so attraktiv machen, dass die Leute möglichst gerne möglichst lange arbeiten. Zu bedenken ist dabei, dass wir ein produzierendes Unternehmen mit Maschinenlaufzeiten sind, die wir einhalten müssen, um wirtschaftlich zu arbeiten. In diesem Spannungsfeld versuchen wir, im Einzelfall für den jeweiligen Mitarbeiter eine angepasste Lösung zu finden.

 

Die zunehmende Digitalisierung birgt Vorteile, aber auch Gefahren. Immer mehr Tätigkeiten können immer und überall erledigt werden, allerdings macht die Technik aus Beschäftigten auch permanent erreichbare Mitarbeiter. Die Risiken: eine wachsende Beschleunigung und zeitliche Entgrenzung von Arbeit, gleichzeitig eine fehlende Grenzlinie zwischen Berufs- und Privatleben. Allerdings können beispielsweise Pendlerzeiten wegfallen, was einen Zugewinn an Lebensqualität bedeutet. Wie geht die emco Group diesbezüglich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung um?

Mensing: Das ist sehr schwierig zu sagen. Wir sind ein kundenorientiertes Unternehmen und müssen auf Vorgaben unserer Kunden reagieren. Vieles muss schneller gehen als früher - und die Digitalisierung wird auch zunehmend in unserem Produktionsbereich Einzug halten, wo alles "just in time" geschehen muss. Insgesamt sind wir bei diesem Thema aber eher Beobachter und versuchen möglichst zielgerichtet und zeitnah auf die Entwicklungen zu reagieren.

 

 

Über Jörg Böttcher

  • geb. 01.05.1963 - 1980-1981 Besuch des Berufsgrundbildungsjahres BGJ-Elektrotechnik
  • 1981-1984 Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker bei der Erwin Müller GmbH
  • 1984 Übernahme in die Elektrowerkstatt als ausgebildeter Energieanlagenelektroniker
  • 1989-1991 berufsbegleitende Weiterbildung zum Industriemeister
  • Fachrichtung Elektrotechnik; geprüfter Industriemeister seit 1991 und als technischer Angestellter und stellvertretender Leiter der Elektrowerkstatt beschäftigt
  • 1994 erstmalig in den Betriebsrat gewählt; seitdem ohne Unterbrechung in der Arbeitnehmervertretung tätig - 2002-2003 übergangsweise freigestellter stellvertretender Betriebsratsvorsitzender für einen langzeiterkrankten Kollegen - seit November 2009 freigestellter Betriebsratsvorsitzender

 

 

 

Über Klaus Mensing

  • geb. 13.11.1963
  • 1984-1991 Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bielefeld
  • seit 1991 zugelassener Rechtsanwalt
  • 1991-2010 als Rechtsanwalt tätig
  • seit Mai 2010 Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der Personal- und Rechtsabteilung der emco Group Lingen

Bei jedem dritten Paar mit Kindern unter drei Jahren würden derzeit am liebsten beide etwa 30 Stunden pro Woche arbeiten. Fast zwei Drittel derer, die daheim Angehörige pflegen, sind berufstätig. Was genau tut die emco Group, damit die Mitarbeiter*innen Beruf und familiäre Verpflichtungen möglichst gut unter einen Hut bringen können? Was zeichnet das Unternehmen als "familienfreundlichen Betrieb" aus?

Böttcher: Die Auszeichnung als "familienfreundlicher Betrieb", die die emco Group bekommen hat, gründet auf vielem. Es gibt Teilzeitangebote, natürlich die Elternzeit, und es wird auf Notfälle reagiert: Wenn man zuhause ein krankes Kind hat, aber arbeiten möchte, kann man beim Notfalltelefon des Betriebsrates anrufen, der innerhalb einer Stunde eine Betreuung organisiert.


Mensing: Generell kann man sagen, dass wir versuchen, individuelle und vernünftige Lösungen mit dem jeweiligen Mitarbeiter zu finden, die sowohl sein Interesse an Familie berücksichtigt, als auch ermöglicht, dass wir vernünftig unsere Arbeit machen können.

 

An welchen Stellschrauben haben Sie intern bereits gedreht, um die Arbeitsplätze vor Ort möglichst flexibel, ergonomisch und angenehm zu gestalten?

Mensing: Da gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen. Beispielsweise stellen wir allen Mitarbeitern, die Schreibtischarbeit verrichten müssen, höhenverstellbare Schreibtische zur Verfügung, sodass es möglich ist, sich auch am Arbeitsplatz zu bewegen - um Rückenleiden vorzubeugen bzw. konstruktiv zu begegnen. Wir sind ja selbst Hersteller von ergonomischen Produkten aus dem Bereich Novus und haben auch einen Ergonomieberater hier im Haus. Wir setzen natürlich unsere Bildschirmhalter ein, die eine individuelle Anpassung des Bildschirms an die Körpergröße ermöglichen und so weiter. Auch im Bereich der Produktion versuchen wir, gesundheitsfördernde Maßnahmen durchzuführen. So haben wir ein betriebliches Eingliederungsmanagement für erkrankte Mitarbeiter, das beispielsweise Hebehilfen organisiert, wenn nötig. Ganze Produktionslinien sind ergonomisch angepasst, wo Hebehilfen die schweren Teile anheben und die Mitarbeiter entlastet werden.


Böttcher: Seit 2016 setzen wir das betriebliche Eingliederungsmanagement über eine Betriebsvereinbarung um. Das wird gut angenommen von den betroffenen Kolleginnen und Kollegen. Wir führen vertrauliche Gespräche mit den Mitarbeitern und versuchen dann Maßnahmen zu treffen, um Krankheit zu vermeiden. Die Geschäftsführung stellt ein Budget bereit, aus dem ohne viel Bürokratie Maßnahmen und Anschaffungen finanziert werden können.

 

 

Wir stellen durch Förderung Flexibilität sicher.“

Ein Gespräch mit Klaus Mensing,
Leiter Rechtsabteilung und Personalwesen emco Group,
und Jörg Böttcher, Betriebsratsvorsitzender emco Group.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Mensing: Wir sind im Kampf um die Talente unterwegs und müssen als Geschäftsleitung sicherstellen, dass wir die richtigen Mitarbeiter mit den richtigen Qualitäten und Kenntnissen am Ort haben. Und wir versuchen durch Förderung der eigenen Mitarbeiter Flexibilität sicherzustellen. Auf der anderen Seite müssen wir uns den Bedürfnissen der Arbeitnehmer stellen und daran arbeiten, ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben. Das bedeutet, dass wir Angebote machen, die uns von anderen Arbeitgebern differenzieren. So punkten wir nicht nur mit monetären Vorteilen, sondern auch anderen, die die Arbeitnehmer woanders vielleicht nicht haben. Wir sind nicht karitativ, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, das Geld verdienen muss. Das geht aber nur mit richtig guten Arbeitnehmern, die die entsprechenden Qualifikationen besitzen und diesen Arbeitnehmern wiederum ihren Arbeitsplatz und ihr Auskommen sichern. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen und die Herausforderung, der wir uns stellen.


Böttcher: Oberstes Ziel des Betriebsrates ist, die Beschäftigung im Betrieb zu fördern und zu erhalten. Wir wollen in Zukunft weiter gute und faire Tarifverträge mit unserem Tarifpartner IG Metall umsetzen und die innerbetrieblichen Reglungen mit guten Betriebsvereinbarungen regeln. Wir möchten auch die Kommunikation und den Informationsfluss im Unternehmen fördern und stärken. Die Mitarbeiter müssen informiert und mitgenommen werden. Wir möchten unsere schwarzen Informationsbretter austauschen gegen Bildschirme, um auch da die Digitalisierung umzusetzen. Dort können sich dann alle Kolleginnen und Kollegen noch besser über unsere aktiven Betriebsvereinbarungen, über Tarifverträge und aktuelle Themen informieren. Eine gute Kommunikation über alle Bereiche im Unternehmen fördert das Miteinander und damit das Betriebsklima, was sich wiederum positiv auf die Motivation, Leistungsbereitschaft und die Unternehmensidentifikation der Mitarbeiter auswirkt - ein wichtiger Wegbereiter für den Erfolg eines Unternehmens. Für uns ist es wichtig, dass wir ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen mit einem gesunden Wachstum haben - damit sichern wir Arbeitsplätze und erhalten unseren Standort.

Lesen Sie weitere Artikel aus unserem Online-Magazin:

 

 

Bleiben Sie up to date!

Der emcoPLUS Newsletter erscheint mehrfach im Jahr und informiert Sie regelmäßig über Interessantes und Aktuelles aus der Architektur, aus verwandten Disziplinen und natürlich aus dem Hause emco. Ihre Daten werden nicht weitergeleitet; Sie können sich jederzeit wieder abmelden.